Die Halbwertszeit der Gefühle

Ein Gefühl ist ein Engagement,
das den Augenblick überschreitet.
Simone de Beauvoir

In der Chemie gibt es als Messwert die Halbwertszeit. Welchen Messwert gibt es für Gefühle? Sind Gefühle messbar? Wie beeinflussen sie unser Leben? Gibt es eine Halbwertszeit der Gefühle?

Wie lange halten Gefühle an? Sind Gefühle an Raum und Zeit gebunden?
Oder ist die Zeit der Gefühle zeitlos?
Kann man eine Auszeit aus dem Fühlen und Spüren nehmen?
Dauert Trauer länger als Liebe und welches Gefühl ist das Stärkste? Und welches Gefühl ist das Mächtigste?
Kann man überhaupt nur mehr halb so viel fühlen? Oder ist man dann gleich gefühllos? Heilt die Zeit wirklich alle Wunden? Auch die der Gefühle?
Und wenn es möglich ist, wie lange dauert es, bis man nur mehr halb so viel fühlt?
Ist auch das Gefühl dann nur mehr halb so viel Wert?

Die Halbwertszeit misst “die Zeit, in der sich ein mit der Zeit exponentiell abnehmender Wert halbiert hat”. Also einfacher gesagt, die Zeit in der sich Messwerte, wie zum Beispiel die Radioaktivität halbieren. Vielleicht können wir – natürlich nur subjektiv – auch bei Gefühlen eine Halbwertszeit feststellen. Die Zeitspanne in der unsere Gefühle nur mehr halb so intensiv sind, wie am Beginn oder am Zenit des Gefühls. Emotionen, Stimmungen und Gefühle wie Freude, Hass, Angst, Zorn, Traurigkeit, Liebe, Zuneigung, Verzweiflung, Wut, Ekel, oder Vertrauen haben unterschiedliche und sehr individuelle Intensität. Jeder spürt sie anders, ob in Form von Schmetterlingen im Bauch, Tränen, einem roten Kopf, Bauchschmerzen oder Zittern….

Ich bin überzeugt, dass wir unseren Gefühlen Zeit, Raum und Achtsamkeit schenken sollen. Sie dürfen uns nicht beherrschen, doch sie sind sehr wichtige Kriterien für unsere Entscheidungen und machen uns zu dem was wir sind: Menschen mit Herz.